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Parametrierbares Sondermodul im Sprinter

Die Geheimnisse eines PSM


Mercedes Benz, der neue Sprinter und das „parametrierbare Sondermodul“ (PSM)

Das parametrierbare Sondermodul (PSM) des Sprinters hat eigentlich den Sinn, zusätzliche Anschlüsse des Aufbaus nach Kundenauftrag zu parametrieren. Das PSM B6 656 0734 ist eine Schnittstelle zum Zugriff auf die Fahrzeugelektronik.

Es stehen 10 Eingänge und 20 Ausgänge zum Abgreifen von Fahrzeuginformationen bzw. zum Beeinflussen von Fahrzeugfunktionen zur Verfügung. Soweit die Theorie, in der Praxis ergaben sich doch einige Ungereimtheiten. Das PSM wurde bei der Bestellung des Fahrgestells für über 200 Euro zusätzlich geordert. Mit Woelcke war vereinbart, das jeweils Blinker und Bremsleuchten zusätzlich im oberen Bereich des Hecks montiert werden. Derartige zusätzliche Anschlüsse waren beim alten Sprinter kein Problem.

Bei der Auslieferung im November 2007 des Woelcke Reisemobils funktionierten die oberen Leuchten und die Seitenbeleuchtung nicht. Nach Auskunft der örtlichen MB-Vertretungen wäre das kein Problem, nur ein kurzer Werkstattaufenthalt ist notwendig, um die Programmierung des PSM zu ändern. Das hatte Woelcke wegen des engen Termins leider nicht geschafft. Meine Begeisterung, dass ich jetzt dafür sorgen musste, hielt sich in Grenzen.

Auf der Überführungsfahrt wurden gleich mehrere Fehler im Display angezeigt:

1. Ölstand zu niedrig, diese Anzeige erschien nur sporadisch. In der Werkstatt stellte sich später heraus, es fehlte bei der Auslieferung der Ölmessstab! Glück gehabt, es ist kein Öl ausgetreten. Stab eingesetzt, erledigt. Wie so etwas passieren konnte, war von niemanden nachvollziehbar.
2. Seitenbeleuchtung defekt, das sollte mit der Parametrierung erledig werden.
3. Rückfahrscheinwerfer defekt, auch das sollte mit der Parametrierung erledig werden.

So weit so gut, in der Transporterwerkstatt Lueg von Mercedes-Benz in Bochum-Wattenscheid besorgte man umgehend einen Ölmeßstab. Außerdem empfahl man nach Überprüfung der Elektrik im Einklang mit dem Aufbauhersteller und Mercedes vor Ort die Anschlüsse zu erledigen. Man vermutete nicht korrekt verlegte, oder gar fehlende Orignal-Elektroleitungen für die Seitenbeleuchtung. In diesem Zusammenhang wurde auch die Art der Verlegung der Kabel für die Seitenbeleuchtung unter dem Wagenboden kritisiert, was später von Woelcke nachgebessert wurde.

Mercedes Niederlassung Stuttgart-Hallschlag war nicht in der Lage das PSM zu aktivieren

Da das Reisemobil wegen der noch ausstehenden endgültigen Fertigstellung noch mal nach Heimsheim bei Stuttgart (Woelcke) gebracht werden musste, habe ich in diesem Zusammenhang auf eine Erledigung gehofft. Doch weit gefehlt, als ich das Fahrzeug wieder abholte, war der Ärger vorprogrammiert. Trotz mehrerer Tage Werkstattaufenthalt hat es die große Mercedes-Nutzfahrzeuge Niederlassung in Stuttgart-Hallschlag nicht geschafft, die Anschlüsse an das PSM herzustellen. Obwohl der Elektriker von Woelcke über zwei Tage (!) mit dabei war, um nach den Anweisungen der MB-Meister die Anschlüsse zu verändern, wurde das Problem nicht gelöst. Auch sollte das Ladegerät des Aufbaus über das PSM aktiviert werden, damit eine Ladung der Aufbaubatterien während der Fahrt erfolgte, auch das konnte von der Mercedes Niederlassung nicht realisiert werden.

Auch das war noch nicht alles. Da man nicht in der Lage war, die Anschlüsse der zusätzlichen Leuchten am Heck an das PSM herzustellen, hat man sich in Stuttgart-Hallschlag mit der Montage eines Anhängekupplungmoduls beholfen. Hiermit konnten die zusätzlichen Blinker und Bremslichter aktiviert werden. Die Montage erfolgte in der Konsole des Fahrersitzes, dabei wurde das Gehäuse des Handbremshebel vollständig zerkratzt, weil man den ausgebauten Sitz darüber geschoben hatte. Was mich durchaus beschäftigt, was mache ich eigentlich, wenn ich in Zukunft tatsächlich eine Anhängekupplung montieren möchte?

Aber es geht noch weiter, unser Reisemobil wurde vertragsgemäß mit einem Rückfahrscheinwerfer ausgeliefert. Da aber die Elektronik des Sprinter-System zwei Glühbirnen für die Rückfahrscheinwerfer verlangte, hatte Mercedes die Montage einer versteckten zweiten Glühbirne empfohlen, was Woelcke auch prompt erledigt hatte. In einem Gehäuse der Elektroanschlüsse in der Heckgarage war jetzt eine solche Glühbirne montiert, der Fehlerhinweis “defekter Rückfahrscheinwerfer” war weg. Allerdings habe ich diese Notlösung nicht akzeptiert. Im Rahmen der Nachbesserung wurde später ein zusätzlicher Rückfahrscheinwerfer montiert, was sich übrigens in der Praxis als gut erwies. Die Rückfahrkamera bekommt jetzt so viel Licht, das auch im Dunkeln ein gut erkennbares Bild auf dem Monitor der Rückfahrkamera zu sehen ist. Das Ladegerät wurde von Woelcke direkt an die Starterbatterie angeschlossen, somit werden auch die Aufbaubattereien während der Fahrt geladen.

Das Erstaunliche war, das Display des Sprinters wies nach dem langen Werkstattaufenthalt in Stuttgart neue Fehler auf

Es wurde eine so genannte Notlichtfunktion aktiviert, das hieß, sobald der Zündschlüssel betätigt wurde, ging die Fahrzeugbeleuchtung komplett an. Iimmerhin einschließlich der Seitenbeleuchtung und der oberen zusätzlichen Leuchten am Heck. Der Lichtschalter war ohne Funktion. Darüber hinaus funktionierte die Anzeige des Automatikgetriebes im Display nicht mehr.

Mercedes Niederlassung Lueg Bochum-Wattenscheid fand eine Lösung

Jeder kann sich meine Begeisterung vorstellen, das ich mit diesem weiter fehlerhaften Fahrzeug die Heimreise antreten musste. Es wurde mit Woelcke vereinbart, das ich vor Ort in Bochum die Fehler beseitigen lasse. Ein neuer Termin in Bochum bei Mercedes Lueg brachte auch erst nach einigen Tagen und erneuter Überprüfung der Schaltpläne die Lösung. Angeblich fehlten Kabel, die ursprünglich im Original Leuchteneinsatz des Sprinters gelegen haben sollten, die jeweils rechts und links eine vierte Seitenleuchte ansteuerten. Montiert waren jeweils drei Seitenleuchten, was auch den gesetzlichen Vorschriften entsprach. Von Woelckes Mitarbeitern kam die Aussage, dass sie keinerlei Kabel entfernt haben. Warum sollten sie auch? Ob die Vermutung zutrifft, dass dieses Kabel seitens Mercedes gar nicht vorhanden war, lässt sich nicht mehr nachvollziehen.

Ein beleuchteter Motorraum

Was nun? Das Elektroniksystem des Sprinters wollte vier Leuchten jeweils rechts und links erkennen, also wurde die Montage von zwei weiteren Seitenleuchten erforderlich. Da diese nachträglich aber nicht mehr sinnvoll im Aufbau montiert werden konnten, hat man sich was einfallen lassen. Im Motorraum wurden ordentlich verlegt zwei Leuchten montiert, damit endlich der Fehlerhinweis vom Display verschwand. Nun habe ich, wenn Licht eingeschaltet wird, während der Fahrt einen beleuchteten Motorraum, man glaubt es kaum! Ein Vorteil, im Dunklen mit Standlicht ist der Motorraum jetzt besser zu sehen. Klasse, wer hat das schon! PSM?

Was ich auf jedem Fall betonen möchte, die Mitarbeiter von Lueg in Bochum haben sich sehr viel Mühe gegeben, intensive Nachfragen beim Werk und bei den Kollegen in Stuttgart trugen zur Klärung herbei. Die beschädigte Handbremsverkleidung wurde anstandslos ausgetauscht, ich hatte keine Probleme mit den Kosten.

Fazit

Dennoch bin ich zufrieden gewesen, als ich nach einer Woche Werkstattaufenthalt das Reisemobil abholen konnte, jetzt war endlich das Thema Elektroanschlüsse (hoffentlich) erledigt. Auch die Anzeige für das Automatikgetriebe funktionierte wieder. Das Lueg das Ganze mit um die 700 Euro erledigt hat, während Stuttgart für die eigentlich weitgehend nutzlose Aktion und mit zusätzlichen Fehlern ausgelieferte Fahrzeug um die 2.000 Euro verlangt, hat natürlich Herrn Woelcke verständlicherweise auf die Barrikaden gebracht. Gut, dass ich damit nichts zu tun habe.

Das PSM wurde offensichtlich nicht genutzt, das Geld dafür hätte ich mir durchaus sparen können. Ende 2007 waren in der Umgebung der Firma Woelcke in Heimsheim (nähe Stuttgart) kein Vertragshändler mit Mitarbeitern von Mercedes, die mit dem Umgang dieses Teils geschult waren. Übrigens, die Markteinführung des neuen Sprinters begann im März 2006. Für Woelcke war es der erste Sprinter mit dem PSM, die nächsten Fahrgestelle für Wohnmobilaufbauten stellen für Woelcke sicherlich kein Problem mehr dar.

Ich will und kann auch nicht bewerten, wer möglicherweise mehr “Schuld” hatte, es soll einfach nur der Versuch einer objektiven Darstellung einer Reihe von Merkwürdigkeiten sein. Erstaunlich ist schon, das es den Niederlassungen der “Weltfirma” Mercedes nicht gelungen ist, das “geheimnisvolle” PSM zu aktivieren.

Bernd Loewe, im Februar 2008

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